FRIDA PRÄSENTIERT: DEUTSCHLANDS OPEN INSURANCE KÖPFE

Wer treibt in Deutschland eigentlich das Thema Open Insurance? In einer Interview-Serie der Free Insurance Data Initiative stellen wir regelmäßig Branchenexpert.innen vor, die das Thema Open Insurance für Versicherer, Vermittler*innen und Kund*innen nach vorne bringen.

1.   Wer bist Du und was machst Du?

Slobodan Pantelic (31), Leiter Technische Integration, Anbindungsmanagement und Vertriebsportale bei der HDI Vertriebs AG und HDI Systeme AG. Neben und im Rahmen der Tätigkeit bei der HDI unterstütze ich die Initiative FRIDA als Lead für das Thema API Management. Darüber hinaus beteilige ich mich an weiteren Brancheninitiativen.

2.   Wie hast Du Deinen Weg in die Versicherungs- bzw. Insurtech-Bereich gefunden?

Bereits während des Studiums habe ich erste Erfahrungen im Vertrieb von versicherungsnahen Gesellschaften gesammelt. Nach dem Studium stieg ich dann direkt bei einem führenden deutschen Versicherer ein. Seitdem bin ich der Versicherungsbranche immer treu geblieben und habe in den letzten Jahren viele Facetten kennen gelernt.

3.   Was sind für Dich bislang die größten Errungenschaften der Digitalisierung in Bezug auf Versicherungen?

Aus meiner Sicht hat die Versicherungsbranche insbesondere in den letzten 3 Jahren im Hinblick auf die Digitalisierung einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Dank der Mitwirkung vieler 3rd Party Anbieter entstanden neue und sinnvolle IT-Lösungen für Versicherer. Diese erstrecken sich von der Integration von Chatbots über die Dunkelverarbeitung von Anträgen bis hin zur KI-unterstützten Schadenbearbeitung.

Darüber hinaus haben Initiativen, wie bspw. BiPRO, die technischen Voraussetzungen im Maklervertrieb geschaffen und somit den Weg geebnet.

4.   Warum ist es aus Deiner Sicht so wichtig, nun auch den Datenaustausch zwischen den einzelnen Parteien stärker zu digitalisieren?

Standards haben sich in der Finanz- und Versicherungsbranche als richtig und wichtig erwiesen. Es gibt meines Erachtens wenig Gründe warum Plattformanbieter und Versicherer ständig neue Schnittstellen definieren sollten, wenn es einheitliche Formate gibt.

5.   Welche Treiber siehst Du für Open Insurance? Was sind die größten Hürden?

Den Kundinnen und Kunden gehören die Daten und diese:r sollte zu jeder Zeit selbst entscheiden, wann und wem welche Daten zur Verfügung gestellt werden. Die Menschen sind insgesamt anspruchsvoller geworden, da die digitale Welt in vielen anderen Branchen die Türen weit geöffnet hat und das Leistungsangebot immens gestiegen ist. Diese Erwartungshaltung besteht ebenfalls an die Versicherer bzw. die Anbieter versicherungsnaher Leistungen.

Da im Umgang mit Kundendaten in der Regel hohe datenschutzrechtliche Anforderungen bestehen, stellt dies immer wieder die größte Hürde dar. Wenn neue Standards geschaffen werden, dürfen die folgenden drei Sicherheitsaspekte nicht außer Acht gelassen werden:

·        Identifizierung

·        Authentifizierung

·        Autorisierung

6.   Welcher Use Case begeistert Dich persönlich am meisten?

Meines Erachtens sind alle Use Cases relevant. Meine Begeisterung für das große Ganze steht dabei im Mittelpunkt. Zum einen finde ich es wichtig für die gesamte Branche sinnvolle Anwendungsfälle zu kreieren. Zum anderen bewerte ich aus unserer geschäftspolitischen Sicht, welcher Anwendungsfall für unsere Kundinnen und Kunden und unseren Zweck den höchsten Mehrwert generiert.

7.   Wie bereitest Du Dich selbst auf eine datengetriebene Zukunft vor?

Mein Wunsch ist es, dass stets transparent gemacht wird, was mit den eigenen Daten in welchem Umfang passiert. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Akzeptanz bei allen Beteiligten wächst. Mein Motto ist in diesem Zusammenhang: Ohne Transparenz, keine Akzeptanz.

8.   Was glaubst Du, welche Geschäftsmodelle am Versicherungsmarkt mittelfristig besonders erfolgreich sein werden? Welche Ideen findest Du besonders inspirierend?

Insbesondere im Cross-Selling herrscht immenses Potenzial, welches noch lange nicht ausgeschöpft ist. Das heißt, dass Plattformen unterschiedlicher Natur in der Regel immer einen Anhaltspunkt haben (werden), wo Versicherungsleistungen angeboten werden können.

9.   Welche Geschäftsmodelle werden bald ausgedient haben?

Meines Erachtens werden sich die Versicherer, die die gesamte Versicherungsproduktpalette anbieten, früher oder später die Frage stellen müssen, ob dies in der Form noch sinnvoll ist. Es könnte durchaus lukrativer und kundendienlicher sein, wenn der Fokus ausschließlich auf bestimmte Sparten gelegt wird.

10. Wie schätzt Du das Potenzial digitaler Ökosysteme im Finanzbereich ein? 

Das Potenzial ist sehr groß und wir nutzen es noch wenig bis gar nicht aus. Beispiele aus anderen Ländern zeigen, dass über digitale Ökosysteme viel möglich ist und wir in Deutschland immer noch sehr konservativ im Hinblick auf Versicherungen agieren.

11. Wie wird sich Deiner Einschätzung nach die Corona-Pandemie mittelfristig auf den Versicherungs- bzw. Insurtech-Bereich auswirken?

Ich denke, dass die Pandemie den Menschen gezeigt hat, dass auch über digitale Wege grundlegende Bedürfnisse gestillt werden können. Die Zeitersparnis ist hierbei ein entscheidender Faktor. Daher ist meine Vermutung, dass die Menschen perspektivisch häufiger auf digitale Beratungsgespräche setzen werden.

Darüber hinaus haben viele Versicherer bewiesen, dass in Krisen- bzw. Schadenfällen auf sie gezählt werden kann. Damit haben die Kundinnen und Kunden ein größeres Vertrauen zu der Branche wiedergewonnen, welches zeitweise immer weniger wurde.

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