Interview mit friendsurance

Die 2018 von Alte Leipziger – Hallesche und Friendsurance ins Leben gerufene Free Insurance Data Initiative (FRIDA) setzt sich für einen branchenweiten, offenen Schnittstellenstandard im Versicherungsbereich ein. Seit Sommer 2021 agiert FRIDA als eingetragener Verein. In einer neuen Interview-Serie stellen wir nacheinander alle Gründungsmitglieder vor:

  1. Wer seid Ihr, was macht Ihr?
    Wir sind Friendsurance und vor 11 Jahren als einer der ersten Tech-Pioniere im Versicherungsbereich am Deutschen Markt gestartet. Angefangen haben wir mit dem weltweit ersten Peer-to-peer-Versicherungskonzept. Als zusätzliches Geschäftsfeld bauen und betreiben wir seit 2017 digitale Bancassurance-Plattformen. So haben wir u.a. digitale Versicherungsmanager für Deutsche Bank, R+V Versicherung sowie Allianz und HypoVereinsbank entwickelt. Neben maßgeschneiderten digitalen Bancassurance-Lösungen bieten wir auch eine kostengünstige Whitelabel-Lösung an, die sich innerhalb von zwei bis vier Wochen aufsetzen lässt. Auf Wunsch können wir auch Module unserer Whitelabel-Lösung mit maßgeschneiderten Teillösungen zu kombinieren. Da wir sowohl über eine Lizenz als Versicherungsvertreter als auch über eine Makler-Lizenz verfügen, können wir verschiedenste Kooperationsmodelle unabhängig vom Vertriebsmodell abdecken.
  2. Warum engagiert Ihr Euch bei FRIDA?
    Wir engagieren uns vor allem aus zwei Gründen: Zum einen ist für uns als Anbieter einer digitalen Versicherungsplattform ein effizienter Datenfluss essentiell, um Versicherungsgeschäfte für unsere Partner und deren Kunden schnell und effizient erledigen zu können. Als wir 2010 gestartet sind, lief die Korrespondenz zu den meisten Versicherern noch komplett auf dem Postweg. Das war unglaublich mühsam. Heute haben sich die Prozesse schon ein ganzes Stück weiter verbessert, aber es gibt immer noch viel zu tun. 
    Zum anderen sind wir davon überzeugt, dass Versicherungen durch innovative, datengetriebene Geschäftsmodelle deutlich kundenfreundlicher können. Doch für datengetriebene Geschäftsmodelle braucht es einen einheitlichen Datenstandard, damit Daten im Versicherungsvertrieb tatsächlich ihre volle Wirksamkeit entfalten können. Im Open Banking haben wir gesehen, was passiert, wenn durch eine Richtlinie wie PSD2 neue Formen der Datennutzung möglich werden: Neue Use Cases entstehen und mit einem Mal werden Zahlungsverkehr und Banking plötzlich „sexy“. Genau das wollen wir auch für Versicherungen erreichen. Versicherungen mangelt es heute an Alltagsrelevanz. Daten können Versicherern dabei helfen, ihre Kunden noch besser zu verstehen und den Nutzen für den Kunden zu erhöhen, indem sie personalisierte und relevantere Versicherungsprodukte anbieten. Wenn Entwickler auf Versicherungsdaten zugreifen können, lassen sich bislang ungeahnte Use Cases kreieren. Gleichzeitig können die Versicherer die Kontaktfrequenz mit ihren Kunden steigern und in ihrem Alltag relevanter werden. Das geht aber nur, indem wir eine Daten-Interoperabilität herstellen, also die Nutzung von Daten zwischen verschiedenen Datenpools wie Mobilität, Gesundheit und Finanzen. Genau diese Interoperabilität wollen wir mit FRIDA schaffen – zur Erhöhung des Kundennutzens, denn Versicherungen und deren Services können durchaus Spaß machen.
  3. Was ist Eure Rolle bei FRIDA? In welchen FRIDA-Arbeitsgruppen seid Ihr aktiv?
    Unser CSO Sebastian Langrehr hat 2018 gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten die FRIDA Initiative auf den Weg gebracht und gehört heute dem FRIDA e.V. Vorstand an. Als solcher treibt er gemeinsam mit Julius Kretz (ALH Gruppe) und Slobodan Pantelic (HDI Vertriebs AG) die Professionalisierung des Vereins voran. 
  4. Was ist Eure Prognose, wo wir mit dem Thema Open Insurance in fünf Jahren stehen werden?
    In fünf Jahren werden wir einem einheitlichen Datenstandard hoffentlich ein ganzes Stück näher sein. Getrieben durch die Digital Finance Strategie der EU werden Big Data und künstliche Intelligenz die Versicherungsbranche erheblich verändern. So hat die Digitalstrategie der EU das ehrgeizige Ziel vorgegeben, dass bis 2030 drei Viertel aller Unternehmen in der EU digitale Technologien wie Cloud-Computing, Big Data und KI nutzen sollen. Bald wird es für Versicherer gang und gäbe sein, die Möglichkeiten zu nutzen, die sich aus Data Science ergeben. 
  5. Warum sollten sich Unternehmen bei FRIDA einbringen?
    Von dem, was wir mit FRIDA vorhaben, profitieren letztendlich alle: Die Versicherer, die neuen Insurtechs mit ihren innovativen Geschäftsmodellen, die Vermittler und vor allem der Kunde. Je mehr Unternehmen die Schaffung eines einheitlichen Branchenstandards unterstützen, desto schneller sind wir am Ziel. Ihr interessiert euch Mitglied zu werden? Mehr Infos unter:  Free Insurance Data Initiative | FRIDA.
  6. Was ist aus Eurer Sicht die größte Herausforderung für Open Insurance?
    Natürlich müssen sich Open Insurance Architektur und Framework erstmal etablieren. So gesehen sind also Technologie und auch Talente, die es umsetzen eine Herausforderung, weil rar vorhanden. Bleiben wir bei Tech, dann sprechen wir immer von der Legacy bestehender Systeme, was ebenfalls eine Herausforderung darstellt. Es gibt eben große, mächtige, teils starre Systeme, die sich nicht einfach umstellen lassen. Diese Legacy gibt es natürlich auch für Organisationen, Kultur und Mind-Set. Eine weitere Herausforderung ist dabei die Versicherungsbranche an sich, die sich in Sachen Innovation von anderen Branchen sicherlich eine Scheibe von abschneiden kann. Gut, dass Bewegungen wie Open Insurance eben genau darauf einzahlen. Eine weitere Herausforderung stellt das sich ständig wandelnde Kundenverhalten dar: welcher Use Case in Bezug auf Open Insurance wird dem Anspruch gerecht und ebnet den Weg für weitere – und gibt damit der gesamten Bewegung Auftrieb. Darüberhinaus kann die Regulatorik hier eine Herausforderung und gleichzeitig ein Beschleuniger oder Katalysator bedeuten, wie wir im Banking lernen konnten. Insgesamt stehen wir Herausforderungen dabei sportlich gegenüber und wissen, dass die Vorteile für unsere Branche und unsere Kund:innen um ein Vielfaches überwiegen. Wir freuen uns drauf!
  7. An welchen Projekten im Versicherungswesen (z.B. Digitalisierung, Standardisierung) seid Ihr bereits beteiligt?
    Als Pioniere im Bereich Insur-Tech treiben wir mit unserem Kerngeschäft Digital Bancassurance Platform per se schon die Digitalisierung im Versicherungswesen mit voran. Wir sind Pioniere mit einer eigenen Versicherungs-Innovation, dem Schadensfrei-Bonus und waren die ersten, die vor dem Hintergrund von PSD2 einen digitalen Account Check live und so heute die Welten Banking und Insurance sinnvoll verbinden. Darüberhinaus engagieren wir uns u.a. im Kuratorium von DEFINO, beim Biktom und veranstalten die Meet-Up-Reihe Digital Bancassurance Group (Banking & Insurance Meetup) (Berlin, Deutschland), wo wir die Community in der Digital Bancassurance zusammen bringen. Daneben sind wir Co-Initiatoren von FRIDA, was uns bis heute viel Spaß macht und wo wir gleichermaßen uns einbringen, wie lernen können.
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